Die "Katzhütter Schichten"
Steinerne Zeugen der Erdfrühzeit



Sie werden dem Präkambrium zugeordnet und sind ca. 660 Millionen Jahre alt! Eine genaue Altersbestimmung ist zur Zeit noch nicht möglich, da Fossilien in diesen Schichten fehlen. Sie können diese Gesteine unschwer erkennen: Sie sind immer senkrecht oder leicht schräg gestellt und feinblättrig bis grob geschiefert. Wenn Sie die herumliegenden Handstücke in die Hand nehmen, ist zu erkennen, dass das Sedimente sind, die unter hohem Druck langsam zu Stein wurden und dabei "schieferten". Als sich diese Schichten ablagerten, war hier kein Land, gab es keine Bäume und andere Pflanzen, keine der heutigen Meeresbewohner. Ein wohl eher seichtes Meer dehnte sich aus ...
Mögliche Landverteilung in jener Zeit
Von den Landmassen des Urkontinents Gondwana wurden Sandmassen ins Meer gespült oder geweht, die sich als Sedimente Schicht für Schicht ablagerten. So jedenfalls könnte es gewesen sein ... Heute gehören diese Gesteine zum Schwarzburg-Antiklinorium (Schwarzburger Sattel) des Thüringischen Schiefergebirges. Sie müssen an der Wende Proterozoikum (Präkambrium) zum Kambrium (Paläozoikum) durch gewaltige Kräfte gefaltet worden sein, man spricht auch von der cadomischen Faltung (auch assyntische Faltung genannt). Das Resultat dieser Faltung liegt in Katzhütte offen zu Tage - gewaltige Schollen, die senkrecht aufgerichtet sind. Diese Schollen können mehrere Kilometer lang (hoch) sein, Sie werden sie am Rosenberg immer wieder finden, auch wenn oft nur ein paar Spitzen von einer solchen gewaltigen Scholle zu sehen sind. Diese Ablagerungen, auch als cadomische Sedimentite bezeichnet, bestehen im Schwarzburg Antiklinorium aus Grauwacken-Schlammstein-Turbiditen (Trübströmen), debris flows (Schuttsrömen), Kieselgesteinen und Quarziten. Gut zu erkennen ist auf dem Bild eine Quarzader innerhalb der "Katzhütter Schichten". Die Quarze in den "Katzhütter Schichten" Viele dieser Adern sind in sehr geringen Mengen goldhaltig. Da die Katzhütter Bäche und Flüsse die Reste jener Ströme sind, die einst die Kerbtäler gegraben und dadurch unsere Landschaft so entscheidend geprägt haben, findet man das Gold auch in den Flüssen und Bächen. Das wussten übrigens auch schon unsere Vorfahren vor hunderten von Jahren sehr genau und durchwühlten die Täler der Schwarza, Katze und Oelze. Heute ist erneut ein Goldboom ausgebrochen und so mancher ist bemüht einen "Nachweis" zu erbringen, dass es in unserer Region Gold gibt. So kehrt uraltes Wissen auf wunderbare Weise aus längst verschwundenen Zeiten zurück ...
Das Gold der Katze und Schwarza






Die geologische Geschichte der "Katzhütter Schichten" ist auch nicht gerade ein bequemer, gerader Weg. Im wesentlichen sind es vier Etappen, in denen diese Schichten genauer untersucht wurden. H.-R. von Gärtner kam ca. 1944 zu der Schlussfolgerung, dass die Schichten dem Präkambrium zuzuordnen und in die "Oberen Katzhütter Schichten", die "Altenfeld Schichten" und die "Unteren Katzhütter Schichten" zu untergliedern sind, unter denen eine Kernzone existiert. Die "Oberen Katzhütter Schichten" wurden seiner Meinung nach von Grauwacken-Turbiditen und cadomischen Granitintrusionen (wie etwa der Glasbachgranit) gebildet (unter Intrusion versteht man nach (8) das Eindringen fließfähigen Materials in andere Gesteinsverbände). Die "Altenfeld Schichten" bestehen nach dieser Gliederung aus Kieselgesteinen und mafischen Vulkaniten (also dunkel gefärbten Silikaten). Die "Unteren Katzhütter Schichten" bestehen wieder aus Grauwacken-Turbiditen. Zur Kernzone werden die grünschieferfaziellen Gesteine des Kernzone-Komplexes gerechnet. Es dauerte immerhin weitere 50 Jahre bis P. & E. Bankwitz 1995 auf Grund intensiver Analysen zu der Gliederung kamen, dass es eine "Frohnberg-Gruppe" und eine "Katzhütte Gruppe" gibt. Zur "Katzhütte Gruppe" gehört auch die Kernzone. Zur "Frohnberg Gruppe" wurden nun Grauwacken-Turbidite und debris flows mit cadomischen Granitintrusionen gerechnet. Die "Katzhütte Gruppe" umfasset nun auch die Kernzone und gliederte sich so, wie bereits bei von Görtner unter "Altenfeld Schichten", "Untere Katzhütter Schichten" und Kernzone beschrieben. Im Jahre 1999 kam es zu einer weiteren Unterscheidung durch Linnemann u.a. Die Gliederung der "Frohnberg Gruppe" und der "Katzhütte Gruppe" blieb unverändert, auch die beschreibene Spezifikation. Neu war, dass die "Katzhütte Gruppe" dem Neoproterozoikum (Cadomisches Basement) zugeordnet und damit zeitlich genauer eingeordnet wurde. Neu war eigentlich der Gedanke der tektonischen Entkopplung der "Katzhütte Gruppe" von der Kernzone, die als tektonische Melange mit cadomischen und altpaläozonischen Anteilen beschrieben wurde. Gleichzeitig wurden das Alter der cadomischen Granitintrusionen der "Frohnberg Gruppe" mit 541 ± 7 Ma bestimmt. Das Entwicklungstempo der Naturwissenschaften und auch der Erkenntnisstand im Bereich der geologischen Wissenschaften verdoppelt sich alle paar Jahre. Heuse u.a. definierten 2002 einen weiteren Schritt in der Erforschung des "Schwarzburg Antiklinoriums". Die "Katzhütte Gruppe" umfasst nun die "Frohnberg Formation" mit der "Altenberg Subformation" und den "Kernzone-Komplex", der von der "Frohnberg Formation" tektonisch entkoppelt ist. Die geologische Gliederung entspricht der von Linnemann 1999 beschriebenen. Neu ist bei beiden, dass von einer Cadomischen Diskordanz (unter Diskordanz versteht man nach (8) bei Sedimentgesteinen das winklige Abstoßen der Schichten eines Gesteinskomplexes gegenüber denjenigen seines Hangenden, auch Winkeldiskordanz genannt) zwischen der Frohnberg Gruppe (Linnemann) bzw. der Katzhütte Gruppe (Heuse) und der Basis-Folge des Ordovizium ausgegangen wird. Manfred Krug hat einmal in seiner Rezitation "Die Kuh im Propeller" so schön gesagt: "Es entwickelt sich Genossen Bauern"! Uns werden noch viele neue und bestimmt umwerfende Erkenntnisse bevorstehen!!!

Literatur:

Zurück zur Startseite

© 2015 by Dr.Donau